Wandern und Zelten in Toblach/ Südtirol

Wasser?! Berge?! Wasser!!! Berge!!! Wir wollen beides – geht das? Ja, sicherlich! Wir kombinieren einfach zwei Wochen und zwei Destinationen. Teil 1 – Umag/ Kroatien. Teil 2 – Toblach/ Südtirol.

Teil 1 unseres Urlaubes am Meer kannst du hier nachlesen.

Anreise

Nachdem wir am Campingplatz zusammengepackt haben, machen wir uns am späten Vormittag auf in Richtung Triest. Verkehrstechnisch geht es gut dahin. Der starke Verkehr ist verstärkt in Richtung Kroatien unterwegs. Wir genieße en die Autofahrt durch die karnischen Alpen. Hier gibt es einiges zu bestaunen. Wir hatten eigentlich vor, entlang der Strecke essen zu gehen, fahren aber dann doch bis Toblach durch.
Der sonnige Süden verlässt uns endgültig. In Südtirol herrscht ein ganz anderes Wetter. Für die kommende Woche ist Regen angesagt. Wir sind etwas nervös, da wir noch nicht wissen ob das kommende Wetter Wanderungen überhaupt zulassen wird. Der Anreisetag ist gezeichnet von Schauern und dunklen Wolken. Das Panorama, das sich uns bietet ist aber dennoch atemberaubend.
Am späten Nachmittag kommen wir am Campingplatz Olympia in Toblach auf.

Auf Grund der schlechten Wetterlage bauen wir unser Zelt sehr schnell auf. In Südtirol sind die Campingplätzte teuer und die Stellplätze winzig. Wohnwagen an Wohnwagen, Wohnmobil an Wohnmobil … wenig Platz und Intimsphäre. Das muss man mögen. Ich habe das Gefühl im Wohnzimmer meines Nachbarn zu sitzen, während ich meinen Kaffee schlürfe. Dann die Verwirrung … spricht man hier jetzt deutsch oder italienisch? Man wird es hoffentlich bald herausfinden.

Tag 1 – In der Schaukäserei

Ein bisschen entmutigt sind wir schon, als wir bei Regen aufwachen. Wir packen uns zusammen und fahren mit dem Bus Richtung Toblach. Wir steigen eine Station zu früh aus und gehen in strömenden Regen zur Touristeninfo. Diese ist wirklich eine Empfehlung wert. Schlechtwetterprogramm gibt es zwar nur wenig, aber die Mitarbeiterin ist freundlich, gelassen und wirklich sehr bemüht.

Wir entschließen uns dazu die örtliche Käserei zu besuchen. Die mäßig große Erwartung wird deutlich übertroffen. Das Museum ist wirklich interessant gestaltet, zum Schluss gibt es gegen einen Aufpreis im Restaurant eine kleine Käseverkostung. Im Shop zwängt man sich neben Dutzenden Pensionistinnen und Pensionisten durch und entdeckt so manches nettes Mitbringsel. Gleichzeitig fühlt man sich unglaublich jung und agil. Danach trinken wir in einem örtlichen Kaffeehaus Kaffee und essen unglaublich viel Kuchen.

Zurück am Campingplatz folgen wir dem Bach Richtung links und kommen zu einem wirklich coolen riesigen Motorik-Spielplatz, wo sich die Natuakinda austoben können.

Tag 2 – Riesenreich Haunold

Wir lassen uns von den Kids dazu überreden ins Riesenreich Haunold zu fahren. NAJA … was soll ich sagen?! Wär Tirols „Kinderberge“ wie Ellmau oder das Hexenwasser kennt, wird hier ziemlich enttäuscht sein. Meiner Meinung nach ist es die völlige Touristenabzocke. Für alle Attraktionen wird man nach einer Bergfahrt zur Kasse gebeten. Der familientaugliche Rundwanderweg leitet vorbei an überdimensionalen Gegenständen des Riesen, welche man aber nicht bespielen darf. Das Anfassen und darauf Klettern ist völlig untersagt, was jeglichen Spaß an der Sache nimmt. Die Natuakinda sind nur mäßig motiviert, als wir vorschlagen, den Touristenpfad zu verlassen. Ein Rettungsanker wird ein riesiger aufgebaggerter Schotterberg, welchen die Natuakinda rauf und runterklettern, auch andere Familien gesellen sich begeistert dazu – endlich Unterhaltung!!!

Wir wandern Richtung Haunoldhütte Rif. Gigante Baranci Nr. 6. Hier wird es etwas ruhiger und die Natur wieder üppiger. Zurück am Campingplatz nutzen wir die offene Feuerstelle am Campinplatz. Da es kein Anzündholz gibt, ist die Sache verraucht und mühsam … schlussendlich gelingt es uns aber ein Feuer zu entzünden, was auch andere Familien anlockt.

Tag 3 – Pragser Wildsee

Mit dem öffentlichen Bus geht es heute zum Pragser Wildsee. Der Bus ist wie befürchtet völlig überfüllt, was uns aber nicht die Laune verdirbt, des herrscht strahlender Sonnenschein. Leider sind wir viel zu spät dran und kommen erst um 11 Uhr an. Für die Zukunft müssen wir uns wirklich merken hier mindestens 2-3 Stunden früher aufzubrechen.

Der Pragser Wildsee ist ein Naturjuwel und sieht aus wie aus einem Bilderbuch. Das zieht natürlich auch massenhaft viele Touristen an. Am See selbst tummeln sich unzählige Holzruderboote, welche man sich am Startplatz ausborgen kann. Unser Ziel ist es den See einmal zu umrunden. Je weiter man geht, desto weniger Menschen tummeln sich herum. Am anderen Ende angekommen, weichen wir auf einen Wanderweg aus, welcher zu einer Berghütte führen soll. Leider sind wir für eine solche Tour viel zu spät dran. Die Hitze zwingt uns dazu nach einer Stunde zum See zurückzukehren. Dennoch genießen wir die Ruhe abseits des Touri-Hotspots. Die Natuakinda wandern nicht am Hauptweg, sondern inmitten einer Geröllhalde.

Rund um uns erstreckt sich ein wunderschönes Bergpanorama. Schroffer Fels umgibt uns. Nur Latschen und kleine Bäumchen spenden ein wenig Schatten. Kein Bächlein fließt in dieser Hitze. Inmitten dieser Pracht liegt der Pragser Wildsee – völlig unbeeindruckt von den Touristen, welche ihn täglich aufsuchen. Es ist diese Schönheit, die mich immer wieder packt, wenn ich in den Bergen unterwegs bin und die Dolomiten sind einfach ein Paradies auf Erden.

Nach unserem Abstecher in die schroffen Höhen, kühlen wir unsere Arme und Beine im Seewasser, welches unglaublich kalt ist. Nach der fertigen Umrundung des Sees, geht es wieder zurück zu unserem Basislager, wo wir unsere Seele baumeln lassen.

Tag 4 – Abseits der drei Zinnen

Aus dem gestrigen Tag haben wir gelernt, deshalb brechen wir kurz nach 7 Uhr mit dem Bus zu den drei Zinnen auf. Das Ticket mussten wir vorab buchen. Als wir dem Ziel immer näher kommen, sind wir froh darüber öffentlich anzureisen. Entlang der Serpentinen bildet sich ein mächtiger Stau. Eine Polizeieskorte bringt den Bus auf der Gegenfahrbahn an sein Ziel. Wir kommen uns sehr exklusiv vor. Unverschämt winken unsere Natuakinda den genervten Touristen in ihren Privat-PKWs zu. Schon die Anfahrt macht einen hungrig auf Berge. So viel Fels, so viel natürliche Schönheit.

Bei der Auronzo Hütte angekommen folgen wir der Wanderautobahn unterhalb der drei Zinnen zur Seekofelhütte. Obwohl so viel los ist, lässt sich die Wanderung doch sehr genießen. Bis zur Hütte geht es flach einen gut ausgebauten Weg entlang. Danach wird es holpriger und steiler. Bis zur 3 Zinnen Hütte gäbe es auch einen Steig zu gehen, da wir nicht wissen, wie dieser verläuft, lassen wir dieses Abenteuer erstmals links liegen. Wir hopsen fröhlich durch ein Schneefeld und machen eine Schneeballschlacht. Dennoch bleibt es angenehm war, aber zeitweise erfrischend.

Endlich sehen wir die 3 Zinnen in ihrer vollen Pracht. Es ist ein unglaubliches Gefühl sie zu erblicken. Irgendwie überirdisch. Wir jausnen auf einer Anhöhe, während die Natuakinda herumtollen – von Müdigkeit keine Spur.

In der 3 Zinnen Hütte nehmen wir Platz auf einer wunderbaren Terrasse mit 3 Zinnenblick und essen Schokokuchen und Apfelstrudel bei Kaffee. Mhhmmm köstlich. Wir überlegen wie wir weitergehen wollen. Bis hierher haben wir etwa 2 Stunden gebraucht – mit ausgiebigen Pausen und keiner Hektik.

Wir beschließen nicht den Rundweg weiterzugehen, sondern Richtung Büllele Joch Hütte zu wandern. Anfangs bin ich sehr skeptisch, da wir unsere Natuakinda schon des öfteren überfordert haben, aber mein Mann setzt sich dieses Mal durch. Die Natuakinda sind gut drauf. Sie haben ihre Fantasieherde, bestehend aus ca. 10 Schafen, ein paar Lämmern und einem Hirtenhund mit dabei. Die Schafe sind wirklich schlimm und müssen beim Wandern ständig eingefangen werden. Die Lämmer sind teilweise noch sehr klein und müssen in Körben am Rücken getragen werden. So ist das eben mit Natuakindan – man muss sich ihrer Fantasie einfach hingeben und dann geht alles ganz einfach.

Der sehr schmale Pfad führt sehr abschüssig hoch über einem wunderschönen Bergsee vorbei. In der Entfernung kann man einen Wasserfall in die Tiefe stürzen sehen. Es ist unglaublich heiß, aber wunderschön. Danach geht es wirklich steil eine Geröllhalle empor. Meine Tochter stöhnt unter der Anstrengung, lässt sich aber tapfer motivieren und mitziehen, während mein Sohnemann wie eine Bergziege gen Gipfel hopst. Er wirkt völlig erfrischt und unterfordert, während mir der Schweiß hinunterläuft und ich kurz fluche. Oben angekommen belohnt uns das weite Panorama. Die Büllele Joch Hütte wirkt wie aus einer längst vergangenen Zeit. Sie ist eins mit ihrem Umfeld. Ein ganz junges Team bewirtschaftet die Hütte. Das Essen schmeckt noch herrlicher als sonst und ist total verdient.

Nach einer längeren Pause brechen wir auf, um unsere Rundtour fortzusetzen. Wir gehen abwärts in einen riesigen Talkessel. Hinter einem riesigen Felsen erspähe ich ein Murmeltier. Ich deute meinen Natuakinda und wirklich wahr … wir nähern uns den Tieren auf ein paar Meter. Immer wieder können wir hier Murmeltiere erkennen. Meinem Sohn verbiete ich mittlerweile das Klettern auf dem Fels, da ich befürchte, dass er sich zu sehr verausgabt. Aber ist nicht davon abzubringen. Während ich immer müder werde, springt er noch immer auf und ab und ist begeistert über den tollen Felsenweg. Nach einem weiteren Anstieg kommen wir zur Seekofelhütte zurück, von wo aus wir der Wanderautobahn zurück zur Aronzo Hütte folgen. Am Weg erspäht mein sozialer Mann eine Frau, die sich mit einem älteren Rollstuhlfahrer abmüht und nimmt ihr schließlich den Stuhl ab. Als mein Mann merkt, dass der Rollstuhl sehr geländegängig ist und der Inhaber keine Angst zu haben scheint, läuft er mehr oder weniger mit dem Rollstuhl das letzte Stück zurück, während der Rollstuhlfahrer vor Freude jauchzend anfeuert. Völlig fertig nehmen wir den Bus zurück in unser Camp.

Tag 5 – Plätzwiese

Bisher hatten wir mit dem Wetter eigentlich Glück. Die Prognosen hatten viel schlimmeres vorausgesagt. Auch stehen alle Zeichen auf Regen. Dennoch machen wir uns mit dem Bus auf zur Plätzwiese. Es sind verhältnismäßig wenige Touristen unterwegs. Leider ziehen sehr bald graue Wolken auf. Es ist nebelig und keine Fernsicht möglich. Dennoch spazieren wir gemütlich den Wanderweg entlang in Richtung des markanten Wegpunktes – dem Gipfelkreuz des Strudelkopfs auf 2.308 Metern. Wir schaffen es gerade noch ein Foto zu machen, als sich über uns rasend schnell ein Gewitter zusammenbraut und es grimmig zu grollen beginnt.

Unsere Natuakinda bekommen es ziemlich mit der Angst zu tun, auch wir werden etwas nervös, lassen es aber uns nicht anmerken. Schnellen Schrittes lassen wir das Gipfelkreuz hinter uns liegen und wandern denselben Weg bergab zurück. Noch bevor wir in unsere Regenhosen schlüpfen können, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Innerhalb von Sekunden sind wir bis auf die Unterhose nass. Die Pfützen füllen sich so schnell, dass das Wasser von oben in die Wanderschuhe rinnt.

Triefend, querfeldein eilend erreichen wir die Dürrensteinhütte. Beim Betreten verlieren wir so viel Wasser, dass die Wirtsleute aufwischen müssen. Da auch unsere Socken völlig nass sind, hinterlassen wir am Fliesenboden überall Fußspuren und können gar nicht aufhören uns zu entschuldigen. Selbst ein Wechselgewand könnte jetzt nichts mehr retten, da auch die Unterwäsche und die Schuhe völlig durchnässt sind. Eine gute Stunde verbringen wir in der Hütte um uns zu wärmen, zu stärken und zu spielen. Wir nutzen eine Regenpause um sofort in Richtung Bushaltestelle aufzubrechen. Das Wetter hält und wir schaffen es gerade noch in den Berggasthof Plätzwiese, wo wir auf den Bus warten um ins Camp zurückzufahren.

FAZIT Campingplatz Olympia

Der Campingplatz selbst überzeugt nicht. Die Sanitäranlagen sind für die Anzahl an Campern viel zu klein. Es wird zwar häufig gereinigt, müffelt aber auf Grund der schlechten Belüftung. Drinnen steht immer der Dunst.

Am Platz gibt es einen Trockenraum. Der ist maßlos überfüllt und viel zu klein. In einem Sanitärhaus gibt es eine Waschmaschine, Trockner und ein Spülbecken für Handwäsche – das fand ich sehr cool.

Das Restaurant hat nicht immer geöffnet und die Speisekarte ist sehr klein.

Am Platz gibt es eine Feuerstelle, allerdings muss man sich Holz zum anzünden mitnehmen. Wir fanden nur großes Holz vor.

Pluspunkt war die Nähe zum Motorikspielplatz – ca. 15 Minuten zu Fuß entfernt. Der Streichelzoo ist kein Streichelzoo, sondern nur zum Tiere beobachten da.

Transport: In der Hauptsaison ist das öffentliche Verkehrsnetz stark überlastet. Ich würde allerdings nicht mit dem privaten PKW fahren, da auch viele Parkplätze so überfüllt sind, dass man sein Auto nicht abstellen kann. Tipp: Vom Campinplatz aus sollte man immer mit dem Bus zum Busbahnhof nach Toblach fahren um dort die eigentliche Anreise zu starten, da die Busse beim Campingplatz in Richtung der Hauptattraktionen so voll sind, dass man nicht mehr zusteigen kann.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind aber trotz der Überlastung sehr zu empfehlen. Ich würde trotz unseres PKWs weiterhin die Busse in Anspruch nehmen.

Toblach

Toblach ist eine wunderschöne Gemeinde mit vielen kleinen Bäckereien, Kaffeehäusern und sehr guten Restaurants und Gaststätten. Ein Besuch zahlt der Innenstadt zahlt sich wirklich aus.

Etwas außerhalb des Zentrums befindet sich eine Schaukäserei und eine Touristeninfo mit wirklich sehr netten, engagierten Mitarbeiterinnen, die viele gute Tipps rund um Ausflüge und öffentlich Verkehrsmittel geben.

Sehr zu empfehlen ist die Patisserie Birgit. Hier wird wirklich vorzügliches Eis serviert. Unweit vom Busbahnhof gibt es ein paar kleine Bäckereien in denen man sich am frühen Morgen mit Jausengebäck und Kaffee versorgen kann.

Sehr gut Abendessen kann man im Winkelkeller. Im Sommer kann man hier auch sehr gemütlich im Gastgarten sitzen.

Eckdaten

Hinterlasse einen Kommentar