
Jetzt hat es mich auch erwischt: Der Corona-Missmust. Von Depression möchte ich nicht sprechen, das wäre dann doch zu weit gegriffen. Aber irgendwie ist jetzt alle Luft draußen. Der veränderte Alltag, die sich ständig ändernden Dienste in der Schule … irgendwann wird es einfach zu viel. Ich habe mich schon lange nicht mehr so ausgepowert gefühlt. Es ist nicht die Arbeitszeit, die ich als anstrengend empfinde, sondern die ständige Veränderung des eigenen Lebens, die Eingeschränktheit, die Aussichtslossigkeit, die Langwierigkeit … Ich muss sagen, so trostlos wie jetzt gerade kenne ich mich gar nicht. Eine Veränderung muss also her.

Schon lange schwebt mir der Vogelbergsteig bei Dürnstein durch den Kopf. Für die Natuakinder ist das aber noch nichts. Der Weg ist zu lang, zu steil und zu abschüssig. Außerdem will Mama endlich einmal wieder ihr eigenes Tempo gehen. Irgendwann muss man auch Mal egoistisch sein und sich selbst ins Zentrum rücken. Kurzerhand geben wir also die Kinder bei den Großeltern ab und machen uns auf den Weg nach Dürnstein in der Wachau. Wir haben Glück und das Wetter spielt ebenfalls mit. Wir lassen das Auto am Parkplatz vor dem Tunnel rechts zurück, spazieren mit leichtem Gepäck durch die Dürnsteiner Altstadt und gelangen so in den Talgraben. Der Vogelbergsteig führt links den Berg hinauf. Von Beginn an sind wir nicht allein. Etliche Wandersleut haben denselben Weg heute vor sich. Es herrscht ein gemütliches Treiben auf dem Weg, welches aber nicht unangenehm ist. Jeder geht sein eigenes Tempo. Immer wieder zweigen schmale Pfade vom Steig ab und enden in traumhaften Aussichtspunkten mit Blick auf die Ruine oder hinab zur Donau. Der Frühling ist nun gänzlich am Erwachen. Überall um uns spürt man förmlich, wie die Natur sich der Sonne entgegenstreckt.

Es sprießen Frühlingsblumen, die Bäume beginnen zu blühen, Schmetterlinge fliegen und Vögel zwitschern ihr fröhlichen Lieder. Ich berühre so viele Bäume wie möglich. Ich habe immer das Gefühl, dass sie unglaublich Kraft spenden. Nicht, dass ich zu jenen Menschen gehöre, die pausenlos alte Eichen umarmen, aber knorrige, alte Bäume haben meiner Meinung nach etwas Mystisches an sich. Mit ihren Wurzeln, die weit in die Tiefe hinabreichen, versinnbildlichen sie für mich Kraft, Halt und Stärke. Und die möchte ich heute auch tanken. Mit jedem Schritt wird es mir leichter ums Herz, mit jedem Schritt fallen die Alltagssorgen wie Schuppen von mir und ich kann wieder dankbar sein für das Leben, welches ich führen darf. Dankbar für meine Natuakina, auch wenn sie gerade nicht hier sind, für meinen Mann, welcher sich äußerst spontan zu solchen Ausflügen mitreißen lässt, für meinen Beruf, der mich so sehr erfüllt, unsere Eltern, die uns mit den Natuakindern so tatkräftig und liebevoll unterstützen. Viel zu selten sagen wir „Danke“, dabei gibt es so Vieles, wofür es sich lohnt diese einfachen, aber durchaus mächtigen Worte auszusprechen.

Immer höher führt uns der Weg den Steig hinauf, bis wir schlussendlich am Kamm des Berges ankommen, wo wir mit einer tollen Aussicht belohnt werden. Wir bewegen uns weg von der Donau, das Gelände wird steiniger, die Wege abschüssiger. Kein Pfad für unsere Natuakinder. Nach etwa 1 1/2 Stunden lassen wir den Vogelbergsteig hinter uns. Ein Schild weist uns auf den richtigen Weg zur Burgruine hin. Wir beschließen aber einen Abstecher zur Kanzel zu machen, welcher wirklich äußerst empfehlenswert ist. Der Blick von diesem erhöhten Punkt ist wirklich grandios. Man blickt auf den Vogelbergsteig und die Donau hinab. Die schroffen Felsformationen in dieser Gegend, gepaart mit der ruhig dahinfließenden Donau sind wirklich einmalig.

Über die Fesslhütte, welche zur Zeit geschlossen ist, und die Starhembergwarte gelangen wir nach insgesamt 2 1/2 zur Burgruine Dürnstein. Auf Grund des schönen Wetters treffen wir hier auf unglaublich viele Menschen und lassen daher die Ruine links liegen. Auch beim Abstieg zurück in die Stadt über den Eselsteig herrscht reges Treiben. Viele Sonntagstouristen tummeln sich mit fragwürdigem Schuhwerk auf den steilen Stufen. Das Schild „gutes Schuhwerk erforderlich“ dürften die wenigsten Besucher gelesen haben.

In der Altstadt angekommen gönnen wir uns in der Bäckerei Schmidl Hauerlaberl und anderes feines Gebäck. Auch die Torten, kann ich berichten, sind seeeehr zu empfehlen!!!
Eckdaten
Dauer: Ca. 2 1/2 Stunden (Wegzeit inklusive 15 minütiger Pause)
Schwierigkeit: für Kinder im Volksschulalter geeignet, allerdings muss eine gewisse Trittsicherheit gegeben sein, die einzelnen Aussichtspunkte sind sehr abschüssig, Kinder auf keinen Fall alleine den Weg entlang schicken. GUTES SCHUHWERK ist SEHR zu empfehlen.
Weglänge: 4 km
Steigung: ca. 400 Hm
Wegbeschaffenheit: zu Beginn schmaler, steiniger, bewurzelter Pfad, oben gehts einen steinigen, teils felsigen Kamm entlang, oft sehr abschüssig, streckenweise mit Drahtseilen gesichert
Nützliche Links: Bergfex ; WachauInside









