
Erst drei Wochen ist es her, dass wir einen Ausflug nach Spitz in der Wachau unternommen haben. Damals haben wir uns vorgenommen zur Marillenblüte, Anfang April nach Dürnstein zu fahren. Auf Grund der beschränkten Reisefreiheit würden heuer nur wenige Touristen die Wachau aufsuchen können, so könnten wir die Pandemie für uns nutzen und die Marillenblüte in Ruhe genießen.

Der Plan ging heute voll auf. Wir starten am frühen Vormittag von St. Pölten aus und kommen gegen 10 Uhr in Dürnstein an. Unser Auto lassen wir gleich am ersten Parkplatz vor dem historischen Städtchen zurück und spazieren gen Stadttor. Die Natuakinda sind ganz aufgeregt: „Papa, Mama! Eine Burg! Habt ihr die Burg gesehen? Da gehn wir rauf? Los schnell Papa, komm!“ Vor dem Stadttor müssen wir gleich wieder einen Stopp einlegen. Unser Natuabursche entdeckt das bemalte Schild mit der Geschichte von Richard Löwenherz. Die muss jetzt einmal vorgelesen werden. Ein paar Meter weiter dann die Geschichte über seinen Vater Heinrich ll und seine, für damalige Verhältnisse sehr politische Mutter Eleonore von Aquitanien. Die Begeisterung meines Sohnes ist entfacht. Wow – so viele tolle Geschichten! Endlich sind wir mit den Schildern durch. Auf geht’s in die Stadt hinein. Gleich rechts führt uns ein steiler Weg nach oben. Der Weg ist auch unter „Eselsteig“ bekannt. Ein Schild weißt auf eine Wanderdauer von 20 Minuten hin. Es wird darauf hingewiesen, den Weg nur mit gutem Schuhwerk zu besteigen.

Der Duft von Germteig liegt in der Luft. Kein Wunder – unter uns befindet sich die Traditionsbäckerei Schmidl, es ist Gründonnerstag und Ostern steht vor der Tür.
Es geht steil nach oben. Die Treppen sind für unsere Natuatochter doch sehr hoch. Sie meistert sie aber bravourös. Ständig will ich ihr zur Hilfe eilen, werde aber mit einem selbstbewussten „Nein, ich kann das alleine“ zurückgepfiffen. Auf Grund des teilweise abschüssigen Gelände geht mein Mann mit dem Natuaburschen vor, während ich beim Natuamädl bleibe. Heute gibt es keinen Pausenfüssler. Beide steigen flotten Schrittes den Berg hinauf. Der Sohnemann hält uns zur Eile an. Wir sollen endlich schneller gehen. Er wolle jetzt zur Burg. Dennoch versuche ich immer wieder einmal inne zu halten um die wunderbare Aussicht auf die Stadt, die umliegenden Weingärten, die Donau und die Marillenblüte zu genießen. Das Wetter ist traumhaft. Die Sonne strahlt, der Himmel glänzt. Am Wegesrand entdecken wir Himmelschlüssel und wilde Stiefmütterchen. Eine Eidechse huscht vor uns ins Unterholz. Es fühlt sich so an, als würde die gesamte Natur um uns die Frühlingssonne mit einem Freudenfest begrüßen.

Nach etwa 25 Minuten kommen wir bei der Burgruine an. Der Ausblick ist heute auf Grund des Wetters besonders schön. Die Natuakinda gehen sofort auf Entdeckungstour. Wir versuchen sie nicht aus den Augen zu lassen. Wieder einmal bin ich froh, dass wir so geschickte Kinder haben. Das Kinderturnen, der Kletterkurs, die vielen Erlebnisse in der Natua zeigen ihre Wirkung. Ich habe das Gefühl meinen beiden Natuakindern auch im abschüssigen Gelände vertrauen zu können. Natürlich lassen wir sie nicht aus den Augen, aber ich finde es toll sie dabei beobachten zu können, wie sie die Natua bestaunen, jeden Felsen beklettern und jeden Pfad testen. Wir jausnen am zweithöchsten Punkt, den wir finden können. Der höchste ist leider bereits besetzt 🙂

Nach der kleinen Stärkung machen wir uns wieder auf den Weg nach unten. Diesmal nehmen wir die leichtere Variante nach unten. Sie ist ebenfalls mit 20 Minuten ausgeschrieben. Wieder geht’s ans Schilderlesen. Mittlerweile finde ich die Geschichten rund um Richard Löwenherz ebenfalls spannend, auch wenn sich zeigt, dass dieser auch ein ziemlich skrupelloser Kerl war und kein glänzender Held, wie man meinen würde. Zurück beim Stadttor machen wir noch einen Abstecher zur Bäckerei Schmidl und decken uns mit Osterpinzen, Käsestangen und Wachauerlaberln ein. Dann geht’s zurück zum Auto. Es ist 12 Uhr und die Sonne heizt nun richtig herunter. Ich frage mich wie es wohl im Sommer hier ist, wenn es jetzt schon so unglaublich warm ist. Ich glaube Dürnstein ist eher eine Frühlings- oder Herbstaktivität. Jedenfalls für Kleinkinder.
Eckdaten
Dauer: Ca. 2 Stunden (Reine Wegzeit ca. 50 min.)
Schwierigkeit: für Kinder jeden Alters geeignet, sofern sie zeitweise getragen werden
Weglänge: unter 3 km
Steigung: ca. 300 Hm
Wegbeschaffenheit: Der Aufstieg am Eselsteig ist ziemlich steil, vor allem die Steinstufen sind sehr hoch, meine Tochter ist 1 Meter groß und hat den Weg dennoch leicht allein zurückgelegt. Nicht kinderwagentauglich.
Nützliche Links: Wachauinside Bäckerei Schmidl












